Freitag, 4. Juli 2008

Sommerpause

Heute Nachmittag starten wir in den Urlaub. Diesmal mit einem kleinen Wohnwagen (statt wie gewohnt mit Wohnmobil). Schwerpunkt nach gemütlicher Anreise ist die französische Mittelmeerküste von der Camargue bis an die Pyrenäen. Strand und Meer, spannendes Hinterland, Faulenzen und Unternehmungen. Der Wechsel macht's.

Ich habe einen hohen Stapel Bücher eingepackt, Schreibzeug, Aquarellkasten und Strickzeug. Damit bin ich für jede Situation gerüstet, hoffe ich.
Und ich hoffe auf viele Inspirationen für Reiseimpressionen, Kurzgeschichten und Gedichte.

Ich wünsche euch allen eine gute Zeit und schöne Ferien denen, die ebenfalls unterwegs sein werden. Bleibt meinem Blog und mir treu. In gut drei Wochen bin ich wieder da.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Sonnenwelle

Bilder Upload

Acryl auf Leinwand, 40 x 40 cm

Nach längerer Zeit hab ich mal wieder ganz spontan gemalt.
Ein Versuch, Sand mit einzuarbeiten, um die Struktur der Farbe zu ändern.

Mittwoch, 2. Juli 2008

Juligrün

gespickt mit
Gänseblümchen
fettes Grün
satt machendes Grün
Maihunger gestillt
Zähne in die Wiese schlagen
Schaf sein wollen
im Grün
immer nur im Grün
leben

Dienstag, 1. Juli 2008

Blauer Dienstag

An der Bushaltestelle um zehn vor neun morgens. Hohe Stimmen, Plappern, Zappeln, Lachen. Zwei große und etwa fünfzehn kleine Menschenkinder warten auf den Bus. Die Vorschulgruppe des Kindergartens macht einen Ausflug.
Wohin geht's denn, frage ich eine der Erzieherinnen. Sie reicht die Frage an die Kinder weiter.
Zum Bäcker, tönt es mehrstimmig. Die Backstube anschauen.
Wir haben schon viele Ausflüge gemacht, ergänzt die Erzieherin. Wo waren wir schon am Blauen Dienstag?
Die Kinder hüpfen von einem Fuß auf den anderen und überbieten sich gegenseitig.
Bei der Polizei. Bei der Feuerwehr. Eis essen. Im Kölner Zoo.
Ein Junge zupft an meinem Arm.
Du, sagt er, soll ich dir mal was erzählen? Ich nicke. Ich hab schon ganz viele gefährliche Tiere gesehen. Die gefährlichsten der Welt.
Die Erzieherin schmunzelt und erzählt von Blindschleichen, die in der Bruchsteinmauer neben dem Kindergarten wohnen.
Die sind aber nicht gefährlich, meine ich.
Der Junge schaut mich groß an. Auf seinem sonnengelben T-Shirt windet sich eine Schlange.
Das ist eine Kobara, erklärt er. Die giftigste Schlange der Welt. Und die längste. Und die hab ich auch schon gesehen.
Mit einer Handbewegung scheucht die Erzieherin die hopsenden Kinder hinter eine gepflasterte Linie im Bürgersteig. Was hatten wir vereinbart?, fragt sie.
Die Kinder stellen ihre Füße in Sandalen oder Turnschuhen direkt hinter diese Kante. Nur nicht einen Zentimeter zu weit zurück. Sie könnten ja den Bus übersehen.
Sag mal, willst du die Haare wachsen lassen?, fragt die Erzieherin ein Mädchen, dem der Pony halb über die Augen hängt. Oder lässt du sie abschneiden?
Abschneiden, nickt das Mädchen und wischt die Haare zurück.
Sonst brauchst du eine Spange, wie deine Freundin. Damit kannst du die Haare nach hinten machen. Du kannst ja gar nicht richtig gucken. Das kitzelt doch bestimmt in den Augen.
Die Kleine schüttelt den Kopf und schiebt wieder den Pony aus dem Gesicht.
Der Bus, der Bus, rufen nun die Kinder durcheinander, die ihn schon in der Ferne entdeckt haben.
Hierbleiben. Nehmt euch an den Händen. Ihr bleibt stehn, bis der Bus auch steht.
Und die kommen nach den Ferien in die Schule?, frage ich die Erzieherin. Sie nickt und grinst. Ja, die kommen in die Schule.
Der Bus hält, die Kinder stürmen durch den Gang bis zu den hinteren Bänken und die Erzieherin kauft die Fahrscheine.
Waren wir eigentlich auch mal so klein?, denke ich, als der Bus mit einem Ruck losfährt.

Montag, 30. Juni 2008

immun

dein Virus
schwemmt durch
meine Adern
erhitzt das Blut
treibt Schweiß auf
meine Stirn

der Wahnsinn
bricht nicht aus
nicht mehr
zu oft
das Fieber schon gespürt
zu oft
erschöpft erwacht
bin ich
immun

Sonntag, 29. Juni 2008

Die Vermessung der Welt

Zwei große Namen: Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt.
Der eine Mathematiker, Astronom, Vermesser und Physiker. Der andere Naturforscher, der die Welt bereiste und unsere moderne Geographie begründete.
Verbunden in einem Roman von Daniel Kehlmann, der es schafft, ihre so unterschiedlichen Wege im 18./19. Jahrhundert in seinem Buch lebendig werden zu lassen.
Kehlmann schreibt klar und schnörkellos (finde ich jedenfalls), voller Humor und Liebe zu den Menschen und der Welt. Ein Buch, das sich gut und spannend liest, das Einblicke gibt in eine vergangene Zeit und in Charaktere, deren Grundzüge sich auch in uns wiederfinden können.

Ich habe ein Interview mit Daniel Kehlmann gefunden, in dem er Informationen rund um das Buch, seine Entstehung und die Intention dahinter gibt.

Samstag, 28. Juni 2008

Kräuterstrauß

Lavendelblau und
lila Salbei
zartes Rosa von
wildem Oregano und
Bergthymian
blasse Rosmarinblüten in
dunklem Nadelgrün

würziger Strauß
duftet mir
Provence in den
Alltag

Freitag, 27. Juni 2008

Ein höflicher Mensch

Ein sommerlicher Wolkenbruch spülte den Kerl in das Café am Liebig-Platz. Kaum hatte die Glocke am Eingang geklingelt, stand er schon mitten zwischen den Tischen und schüttelte sich wie ein nasser Pudel.
"'n Tag", grüßte er in die Runde und schlappte zur Kuchentheke. "Einen Malteser bitte."
Die Bedienung sah ihn konsterniert an, schließlich war es gerade drei Uhr durch und Malteser hätten sie sowieso nicht. Nur Likör und einen Cognac zum Kaffee.
"Na, dann eben einen Cognac."
Ob er sich ein Stück Torte aussuchen wolle, das bekäme er dann am Tisch serviert. Der Pudel verneinte, nahm den Cognacschwenker und schüttete die rotbraune Flüssigkeit mit einem Schwung hinunter.
"Und jetzt hätte ich gerne ein Kännchen Kaffee", meinte er. Seine Augen suchten einen freien Platz und blieben an meinem Tisch hängen.
Ich hatte ihn genauso beobachtet wie alle anderen Gäste des Cafés und zuckte zusammen, als sein fragender Blick mich traf. Er nahm das wohl als Zustimmung und kam herüber.
"Danke", sagte er, als er sich setzte und seine olivgrüne Leinentasche über die Stuhllehne hängte.
"Wofür?"
"Einfach danke. Ich bin ein höflicher Mensch."
Ich musste grinsen.
"Ich heiße Karl. Und du?"
"Dörte. Seit wann duzen wir uns?"
"Seit gerade."
Sein Grinsen war noch breiter als meins, die Zähne strahlten mich an. Der könnte Zahnpastawerbung machen, schoss es mir durch den Kopf.
"Sag mal, Dörte, wo gibt es hier ein ordentliches Hotel?"
Ich musterte ihn, um herauszufinden, was er unter ordentlich verstand. Seine Trecking-Kleidung und Sandalen waren nass, als wäre er durch einen Fluss gewatet. Aber der Stoff wirkte hochwertig und die Schuhe hatten ihn wohl schon viele Kilometer gut getragen. Ich wies auf seine Tasche.
"Hast du noch anderes Gepäck?"
"Schließfach am Bahnhof. Muss ich ja nicht alles durch den Regen schleppen."
Ich überlegte. In der eigenen Stadt kennt man die Hotels ja nicht unbedingt in und auswendig.
"Ich glaube, das kleine Hotel Hermanns ist in Ordnung. Einfach, sauber und gutes Frühstück. Oder - wenn du es luxuriöser willst - das Hotel Paulushof."
"Paulushof klingt gut. Ist das weit?"
Die Bedienung raschelte mit ihrer Schürze, als sie ein Kännchen Kaffee und eine Tasse absetzte.
"Milch und Zucker stehen auf dem Tisch", stellte sie überflüssigerweise fest und zu mir gewandt:
"Bekommen Sie noch etwas?"
"Einen Cappuccino, bitte."
Die Frau rauschte davon.
"Und?", fragte Karl.
"Was? Ach so, Paulushof. Nee, ist nur ein paar Straßen von hier."
Karl schenkte sich eine Tasse ein, gab einen Löffel Zucker hinein, rührte kurz um und nippte am brühheißen Kaffee.
"Zeigst du mir den Weg?"
Seine Augen bissen sich an meinen fest. Braungrün, lange Wimpern. Ich schluckte.
Die Bedienung brachte meinen Cappuccino. Der Löffel klirrte leise auf der Untertasse, als sie ihn mit Schwung auf die Tischplatte stellte. Ich nickte dankend, sah immer noch Karl an.
"Und?", fragte er nochmal und beugte sich vor.
Ich konnte sein After shave riechen. Frisch und grün, nicht der herb-würzige Duft, den ich erwartet hatte. Ich versuchte, möglichst unauffällig zu schnuppern.
"Paulushof", wiederholte ich. "Ja, kann ich dir zeigen."
Was hätte ich anderes antworten sollen.
Wir tranken aus, zahlten und gingen zur Tür. Der Regenschauer war in ein kräftiges Nieseln übergegangen. Karl sah mich an.
"Kein Problem, ich bin ja nicht aus Zucker."
Wollte ich ihm etwa imponieren? Was machte ich da gerade? Hatte meine Mutter mir nicht stets eingebläut, bloß nie mit fremden Männern zu gehen? Penibel hatte sie mir alle Schandtaten geschildert, denen ich zum Opfer fallen könnte. Ich stieß die Tür des Cafés auf.
"Holen wir zuerst dein Gepäck vom Bahnhof?"
"Ist vielleicht besser. Sonst glaubt der Rezeptionist noch, ich wäre irgendwo ausgebrochen."
Karl bremste seinen Schritt, damit ich ihm auf meinen Stöckelschuhen folgen konnte. Wir sprachen kaum ein Wort. Es war mir egal, dass Pfützenwasser an meine Nylons spritzte und dunkle Flecken hinterließ. Es war mir egal, dass meine Haare wie ein Wischmopp um meinen Kopf hingen. Mir wurde kühl in meiner feuchten Bluse, aber auch das war mir egal.
Wir gingen zum Bahnhof, holten eine riesige Reisetasche, gingen zurück durch die Stadt und bis zum Hotel.
"Danke", sagte Karl.
"Wofür?", fragte ich und grinste.
"Du weißt, ich bin ein höflicher Mensch."
Sein Händedruck war warm und fest. Er neigte sich vor und gab mir einen leichten Kuss auf die Wange.
"Und wenn du mal nach Bremen kommst, dann zeige ich dir gerne ein ordentliches Hotel."
Ich starrte noch lange, nachdem die Hoteltür sich geschlossen hatte, auf die Visitenkarte in meiner Hand. Und beschloss, dass Bremen sicher eine Reise wert sei.


(Weil ich endlich mal wieder eine kleine Geschichte schreiben wollte, habe ich mir aus dem Wörterbuch ein paar Wörter herausgesucht: Händedruck, Malteser, penibel, riechen, Wolkenbruch)

Auf Travellers Pfaden

unterwegs durch Prosa und Lyrik

Ins Wolkenlicht geschrieben

Cover-Lyrikband

Mein erster Lyrikband ...

... erscheint Mitte Juni im hs-Literaturverlag, Wien. Vorbestellungen sind bei mir möglich (signiert und/oder mit Widmung, wenn gewünscht) oder über die Verlagsseite. genaueres findet ihr hier

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